Karla Pappel blog – 16.10.2012

Zerstörter Fahrstuhl statt Modernisierung

Oktober 16, 2012 von karlapappel

Im Nachbarkiez wehren sich seit geraumer Zeit die Bewohner und Bewohnerinnen des Hauses in der Fulda/Weichsel Strasse. Zu den Modernisierungsvorhaben gehört auch ein Aufzug. Der wurde kürzlich laut der Zeitung “taz” zerstört. Dies mag natürlich auch ein gangbarere Weg sein, wenn die juristischen Verfahren nicht zu Erfolg führen. Wer das Recht hat, hat eben doch nicht immer die Macht. Auf jeden Fall trägt ein kaputter Aufzug nicht zur Wertsteigerung des Hauses bei. So werden Modernisierungsvorhaben erheblich behindert. Wir sind die Nachbarn aufgrund der Pressemeldung mal besuchen gegangen und trafen schmunzelnde Gesichter bei den MieterInnen an die wir befragten.

Auf Ihrer Webseite erklärt sich natürlich der Hintergrund besser:

“Zwei Modernisierungsphasen wurden uns bisher in Aussicht gestellt. Für die Erste (Fernwärme, Warmwasser, Wasseruhren, Keller- und Dachdämmung, Elektrik) kam die Ankündigung im August 2010. Im Februar 2011 wurden erste Mieter_innen verklagt. Die zweite Modernisierungsankündigung erreichte uns Ende Februar 2011 (Fenster ersetzen, Fassaden dämmen, teilw. Aufzug, Balkon). Die Vermieter_innen planen anscheinend das Dach- und das Obergeschoss für sich selbst auszubauen. Wie in Gesprächen und den Modernisierungsankündigungen klar wurde, sollen unsere Mieten nach der zweiten Modernisierungsphase um voraussichtlich bis zu 60% steigen.

Laut der Vermieter_innen wollen diese die „Neuköllner Mischung“ erhalten und auch keine Gentrifizierung betreiben. Doch dass Mietsteigerungen in diesem Ausmaß für die meisten Bewohner_innen nicht tragbar sind, muss ihnen eigentlich klar gewesen sein. Vermutlich haben sich die Vermieter_innen bewusst dafür entschieden, die Verdrängung von Mieter_innen in Kauf zu nehmen.”

Welte vermutlich einer der Hauseigentümer
An der Außenwand: Saubere Wände = hohe Mieten