Mieter_innenprotest goes Berlin-Biennale

FuldaWeichsel BiennaleMitglieder der Berliner Mieter_innenintiative FuldaWeichsel zeigen mit einem Ausstellungsprojekt, wie Kultur und Politik zusammen wirken können.

Ein alter Koffer wurde in einen Bauchladen umfunktioniert. Dort gibt es Falterblätter über den Mieter_innenwiderstand, Broschüren für Ratschläge für Mieter_innen, die sich nicht alles von ihren Vermieter_innen gefallen lassen wollen und ein Berliner Mieter_innenmanifest. Angeboten werden diese Dinge den Besucher_innen Ende der Woche zu Ende gegangenen Berlin-Biennale im Parterre der Kunst-Werke in der Augustraße 69. Die Vermischung von Kunst und Occupy hat nach der Eröffnung in den Medien zu viel auch begründeter Kritik aus künstlerischen und politischen Aspekten erfahren. Dann war wenig zu hören und zu lesen über den Fortgang. Auch in den Kunst-Werken ist es nach dem Anfangstrubel der ersten Woche ruhig geworden. So hatten die Besucher_innen zuletzt die Gelegenheit sich die dort dargestellten Installationen genauer anzusehen. Dazu gehört die Installation „Mieterdämmerung / Tenants’ Twilight“, die bis Mittwochabend in den Kunst-Werken zu sehen war.

Der Koffer mit den Utensilien für den Mieter_innenwiderstand gehört dazu. Erstellt wurde die Installation von Mitgliedern der Initiative FuldaWeichsel, die sich seit Monaten erfolgreich gegen die energetische Sekretion wehrt, wie die Mieterhöhungen aufgrund von energetischer Sanierung mittlerweile genannt werden. Da der Protest in dem Eckhaus Fuldastraße/Weichselplatz kein Strohfeuer war und ein Großteil der Mieter_innen weiter regelmäßig daran teilnimmt, wird sie mittlerweile gerne in andere Stadtteile eingeladen. Die dortigen Mieter_innen wollen erfahren, wie es möglich ist, einen solchen Widerstand auch über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten.

Ein Besuch der Installation in den Kunst-Werken konnte dazu Antworten geben. Es ist ein Ausschnitt aus einem Wohnzimmer des Hauses, die Tapeten haben in dem Haus wohnende Künstler_innen selber gestaltet. An den Wänden hängen Fotos einiger Bewohner_innen, die in ihren Wohnungen aufgenommen wurden. Ein über 80jähriger Rentner ist ebenso zu sehen wie endzwanzigjährige Handwerker, ein Querschnitt der Mieter_innen. An den Seiten berichten sie in zwei kurzen Videos, was die Sanierung für sie und ihr Leben bedeutet, beispielsweise mehrere Monate wegen der Baugerüste kein Tageslicht in der Wohnung zu haben. Eine Mieterin berichtet, wie dadurch ihre Pflanzen eingegangen sind. Ein scheinbar kleines Detail, das aber die Frage aufwirft, was diese Zustände mit den Menschen machen. Andere Mieter_innen berichten, warum sie angekündigte Mieterhöhungen von über 80 % nicht bezahlen können und warum es sich für sie lohnt, weiter Widerstand zu leisten.

Weitere Kurzvideos dokumentieren eine Lärmdemo, die von Kotti & Co. organisiert wurde sowie Proteste am Flugfeld Tempelhof. Damit wird auch deutlich, dass es der Initiative nicht nur um erträgliche Bedingungen für ihr Haus geht.

Bis Mittwoch konnte die begehbare Installation im Erdgeschoss der Kunst-Werke besucht werden. Der Eintritt war wie bei allen Veranstaltungen der Berlin-Biennale kostenfrei.

Die Installation wird noch an anderen Orten gezeigt werden.

Webseite Mieterdämmerung auf der Biennale 2012

Ouellen: indymedia, mietenstopp

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