Presseerklärung 14.03.2011

 

Von Bewohner_innen der Fuldastraße 31/32 und des Weichselplatz 8/9, 12045 Berlin, 14.03.2011

Bewohnerinnen und Bewohner des Neuköllner Wohnkomplexes haben sich zusammengetan, um öffentlich gegen hohe Mieten zu protestieren. Denn die neuen Eigentümer des Hauses wollen modernisieren und viele könnten sich die Miete danach nicht mehr leisten. Auch im gesamten Kiez steigen die Mieten.


Ein Haus wehrt sich

Planung umfangreicher Modernisierungsmaßnahmen

Im August 2010 erhielten die Mieter_innen des Wohnkomplexes Fuldastraße/Weichselplatz, ihre erste Modernisierungsankündigung. Vor knapp einem Jahr verkaufte der Reon Liegenschaftsfond, der bisherige Eigentümer, die Häuser an die Grundstücksgemeinschaft Weichselplatz, bestehend aus 9 Einzelpersonen die sich zum Ziel gesetzt hat die Häuser zu sanieren und auch energieeffizient zu modernisieren. Das, was beim ersten Hinsehen logisch und sinnvoll klingt, bringt für die Bewohner_innen zum Teil existenzielle Konsequenzen mit sich. Dort wo aufgewertet und modernisiert wird, steigen die Mieten. So auch in diesem Fall. Obwohl dieses Haus größtenteils bereits ortsüblich mit Gasetagenheizung und modernen Bädern ausgestattet ist. Da nicht alle Bewohner_innen imstande sind, die höheren Mietkosten zu tragen, würde es für diese bedeuten, dass sie ihre Wohnung verlassen müssen. Einige sind nach der Modernisierungsankündigung sogar bereits ausgezogen. An dem konkreten Beispiel Fuldastraße/Weichselplatz kann dies folgendermaßen veranschaulicht werden. Die angekündigte Modernisierung ist in mindestens zwei Phasen geplant. Sie beinhaltet unter anderem den Anschluss an Fernwärme, die Erneuerung von Wasserversorgung und Elektrik, sowie Fassadendämmung, aber beispielsweise auch den Anbau eines Fahrstuhls und von Balkonen im Innenhof. Des Weiteren soll der Dachboden ausgebaut werden. Die Hausbesitzer_innen wollen teilweise selber in den Komplex einziehen.

Mieten sollen bis über die Hälfte steigen

In Folge sollen die Mieten bis zu 60% steigen. Bei Neuvermietungen im Anschluss an die Modernisierung soll der Quadratmeterpreis angeblich bei ca. 8-10 Euro liegen. Kaum eine_r der dort zum Teil seit vielen Jahren lebenden Menschen, kann sich das leisten und doch wird erwartet, dass sie der Modernisierungsankündigung zustimmen. Das Unterschreiben der Duldungserklärung käme bei vielen der Zustimmung zum Auszug gleich. Die Bewohner_innen fühlen sich – auch durch als aufdringlich empfundene Methoden der Vermieter_innen – unter Druck gesetzt und erleben die Konsequenzen der Gentrifizierung seit Monaten hautnah. Um eben nicht einfach klein bei zu geben und um ihr Zuhause zu verteidigen, haben sich einige von ihnen zusammengeschlossen und eine Mieter_innenversammlung einberufen. Seit 8 Monaten treffen sie sich regelmäßig um sich zu unterstützen, sich auszutauschen, sich gegenseitig Mut zu machen und um das weitere Vorgehen zu besprechen. Gerade jetzt werden diese Treffen umso wichtiger, weil bereits die ersten Duldungsklagen gegen die Bewohner_innen eingetroffen sind. Es entsteht der Eindruck, dass hier Verdrängung in Kauf genommen oder sogar bewusst vorangetrieben wird. Das sehen viele der Bewohner_innen des Wohnkomplexes Fuldastraße/Weichselplatz nicht ein. Um ihren Unmut zu zeigen und auf die Problematik aufmerksam zu machen wendeten sich einige Bewohner_innen am 13.03.2011 mit Kaffee, Saft, Kuchen, Flyern, Transparenten, Presseerklärung, Internet-Blog und nachbarschaftlichen Gesprächen an die Öffentlichkeit.

Der Kiez wird teuer

Aber sie sind nicht die einzigen Betroffenen. In Nord-Neukölln sind Aufwertung und Verdrängung mittlerweile an der Tagesordnung. Die Quadratmeterpreise steigen zunehmend und im städteweiten Vergleich überproportional, was für einen Großteil der hier lebenden Menschen Wegzug oder einen großen Verlust an ökonomischem Spielraum bedeutet. Der Wohnungsmarkt orientiert sich nicht am Einkommen oder den Bedürfnissen der Menschen. Das führt zunehmend dazu, dass die Menschen ihre Kieze verlassen müssen und die Frage „Wo wollen wir leben“, wird durch „wo können wir es uns eigentlich noch leisten zu leben“, ersetzt.

So sind die Bewohner_innen Fuldastraße/Weichselplatz nicht allein mit diesem Problem und bei weitem nicht die einzigen, die ihre Grundrechte als Mieter_innen einfordern und sich wehren wollen gegen das, was eine realitätsfremde Wohnungsmarktpolitik über ihre Köpfe hinweg durchzusetzen versucht.

als pdf: FuldaWeichsel Presseerklärung 14.3.11

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