Offener Brief an die Mitglieder der Grundstücksgemeinschaft Weichselplatz

Anlässlich unserer Öffentlichkeitsaktion am 13.03.2011 wurde ein offener Brief zur Erklärung an die Grundstücksgemeinschaft Weichselplatz, den Vermieter_innen, geschickt:

 

Wir sind heute mit einer Informationsaktion an die Öffentlichkeit getreten, um darauf aufmerksam zu machen, dass von Ihnen, den neuen Eigentümer_innen unseres Hauses, ein Modernisierungskonzept verfolgt wird, das viele der hier lebenden Menschen nicht bezahlen können. Wir fürchten um eine Grundlage unserer Existenz: unser Dach über dem Kopf.

Wir wollen nicht in die wenigen Außenbezirke ziehen, wo wir uns die Mieten vielleicht noch leisten könnten. Wir wollen hier bleiben. Wir bedauern sehr nach den gemachten Erfahrungen annehmen zu müssen, dass Sie auf die Bestandsmieter wie auch auf das Neuköllner Milieu – im Gegensatz zu ihren Beteuerungen – kaum Rücksicht nehmen und unsere Lebensrealitäten anscheinend nicht verstehen wollen oder können.

Was wollen die Mieter_innen?

Energieeffizienz finden wir grundsätzlich sinnvoll. Aber dabei ist es für uns existenziell, dass die Verhältnismäßigkeit von Kosten und Nutzen gewahrt bleibt. Was bringt uns Mieter_innen beispielsweise eine Dämmung und Fernwärme, wenn es zu enormen Modernisierungsumlagen kommt, die von den eventuellen Energieeinsparungen nicht gedeckt werden können. Was bringt uns eine Modernisierung, wenn wir wegen der entstandenen Kosten ausziehen müssen, praktisch verdrängt werden?

Es gibt Beispiele für sozialverträgliches, behutsames Modernisieren. Dabei wird in dem Maße energieeffizient modernisiert, dass die Einsparung der Energiekosten die Kosten der Maßnahmen zumindest annähernd ausgleicht. Schaut man sich Ihre geplanten voraussichtlichen Mieterhöhungen an, so ist ein solcher Ansatz leider nicht zu erkennen.

Warum eigentlich nicht?

Wir bieten an, mit Ihnen gemeinsam eine Lösung auszuarbeiten, eine behutsame Sanierung/Modernisierung, realisiert in einem gemeinsamen Prozess, der uns als Mieter_innengemeinschaft mit einbezieht.

Die Voraussetzungen dafür sind:

  • sofortiger Stopp aller laufenden und geplanten Duldungsklagen
  • Verzicht auf Eigenbedarf für alle zur Zeit vermieteten Wohnungen
  • Rücknahme der geplanten Mieterhöhungen und Modernisierungsankündigungen
  • die Modernisierung muss sich an den Menschen hier orientieren, was heißt: Mieterhöhungen in der Höhe der Energieeinsparung
  • langfristige Sicherheiten bei der Miethöhe

Unter sozial verträglich verstehen wir außerdem, dass Sie als Eigentümer_innen auf die Interessen und vor allem auf die Bedürfnisse der Mieter_innen eingehen und mit ihnen GEMEINSAM ein Konzept für das Haus und vor allem für alle Bewohner_innen erarbeiten. Dieses Konzept sollte in Form einer behutsamen Sanierung/Modernisierung umgesetzt werden, die das Ziel hat, die Mietpreise langfristig stabil zu halten und durch effizientes Energiemanagement auf steigende Energiekosten vorbereitet zu sein.

Sozial verträglich bedeutet für uns auch, die „Neuköllner Mischung“, das „Neuköllner Milieu“ langfristig zu erhalten, wonach die Regelungen auch für Neuvermietungen gelten müssten.

Eine Grundvoraussetzung sei noch angefügt: Sie, als unsere Vermieter_innen, müssen das auch wollen.

Mieter_innen der Fuldastr.31/32 und des Weichselplatz 8/9

Berlin, 13.03.2011

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